Das Katzen-ABC


Unsere Katzen haben eine bewegte Vergangenheit: Zum Großteil kommen sie aus Bulgarien, wo sie auf den Straßen geboren oder ausgesetzt wurden. Sie lernen dort früh, sich in großen Gruppen zurechtzufinden, doch Sicherheit und Geborgenheit kennen sie oft nicht. Einige wurden eventuell auch in Käfigen gehalten.


Mit dem Katzen-ABC möchten wir Euch zeigen, was uns bei der Vermittlung am Herzen liegt – und welche Bedürfnisse unsere Samtpfoten mitbringen, damit aus der Vermittlung ein Zuhause fürs Leben wird - von der Straße ins Herz.

 

A wie Aufmerksamkeit

 

Katzen gelten oft als unabhängig, doch in Wahrheit suchen sie die Nähe ihrer Menschen. Aufmerksamkeit bedeutet gemeinsame Rituale, Spiel- und Kuschelzeit, aber auch das Wahrnehmen der kleinen Zeichen, mit denen Katzen uns ihre Bedürfnisse mitteilen.

 

Wer einer Katze aufmerksam begegnet, schafft die Basis für Vertrauen und Bindung.

C wie Catwalk

 

Katzen leben dreidimensional. Sie lieben es, in die Höhe zu klettern, auf Podesten zu thronen und die Welt von oben zu beobachten. Auch eine Wohnung kann so gestaltet werden, dass sie spannende Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten bietet – mit Catwalks, Kratzbäumen, Hängematten oder Fenstersitzen.

 

So entsteht Bewegung, Abwechslung und Sicherheit in den eigenen vier Wänden.

F wie Freigang

 

Das Straßenleben bedeutet für Katzen in Bulgarien ständige Gefahr: Verkehr, Misshandlungen, Hunger, Krankheiten oder extreme Temperaturen. Unseren Tierschutzkollegen vor Ort ist es daher wichtig, dass in Zukunft diese Gefahren vermieden werden.

 

Deshalb vermitteln wir ausschließlich in reine Wohnungshaltung oder in gesicherten Freigang – etwa durch abgenetzte Balkone oder katzensicher eingezäunte Gärten. Nur so können unsere Katzen frei und sicher leben.

G wie Gesundheit

Vor der Ausreise bekommen unsere Katzen den Rundum-Check: Untersuchung, Impfungen, Entwurmung, Chip; wenn alt genug, auch Kastration. FIV/FeLV testen wir ebenfalls, damit ihr und wir gut planen können. Trotzdem bleibt ein Umzug für Katzen ein Ausnahmezustand. Selbst robuste Charaktere geraten in den ersten Tagen mal aus dem Takt: ein bisschen matt, empfindlicher Bauch, ein Hauch von Erkältung – das kann passieren, übrigens auch bei Inlands-Neuzugängen. Wichtig sind dann Ruhe, gutes Futter, Wärme, Wasser und ein wacher Blick – und wenn etwas anhält oder auffällig wird, der Tierarzt an eurer Seite. Garantien gibt es nie; ehrliche Fürsorge schon.

 

N wie Nähe

Viele Tierschutzkatzen sind in den ersten Tagen „unsichtbare Mitbewohner“: unterm Bett, hinterm Schrank, ...erstmal verschwunden... 

Doch dies ist normal. Unsere Erfahrung: Ein eigener, ruhiger Raum für die erste Nacht tut gut – man sieht, ob sie fressen, trinken, wie’s dem Bäuchlein geht, und die Welt bleibt überschaubar. Ist alles ok, dann bleibt ab dem nächsten Tag die Tür offen und wird nicht ständig wieder geschlossen: So erkundet die neue Fellnase das Zuhause selbst, liest die vorhandenen Katzen aus sicherer Distanz und schafft sich Wege, statt dass wir „Reviere“ zementieren. Was wir nicht empfehlen: die geschlossene Transportbox mitten ins Wohnzimmer zu den anderen zu stellen – das fühlt sich wie Belagerung an.  Manche kommen nach wenigen Tagen kuscheln, andere nach Wochen – beides ist richtig. Und der erste Kopfstoß in die Hand? Ein kleiner Feiertag :)

R wie Ressourcen

 

Ressourcen sind die Basics: Futter, Wasser, Klo, gemütliche Plätze. Entspannt wird es, wenn es von allem genug gibt – und an mehreren Stellen. Futter und Wasser am besten getrennt, nicht direkt neben der Toilette. Bewährt hat sich: pro Katze ein eigenes Klo plus eins zusätzlich. 

 

Die Lieblingsplätze dürfen gerne auch dreidimensional sein – Körbchen, Fensterbank, Catwalk. So kann jede Katze wählen und das Miteinander bleibt ruhig.

 

 

V wie Verträglichkeit

Verträglichkeit heißt nicht, dass zwei Katzen sich vom ersten Tag an lieben. Es bedeutet, dass sie sich in Ruhe wahrnehmen dürfen und mit der Zeit eine gemeinsame „Sprache“ finden. 

Unser Ziel ist kein Schnellstart, sondern ein entspanntes Miteinander, das von allein näher rückt. 

Grundsätzlich sind die Bulgaren sehr verträglich, denn auf der Straße leben sie zwangsläufig in großen Gemeinschaften. Dabei lernen sie früh, Signale zu lesen, Konflikten auszuweichen und Ressourcen zu teilen – das bringt oft eine entspannte Sozialkompetenz mit. Trotzdem bleibt jede Katze ein Individuum und es bleibt abzuwarten, ob sich genau diese Tiere jetzt lieben werden.